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Das Bohren im Steinbruch befindet sich in einer Umbruchphase. Über Jahrzehnte hinweg haben sich dieselhydraulische Bohrsysteme als robuste und zuverlässige Lösungen etabliert. Technologien wie Imlochhammer-, Außenhammer- und Drehbohrtechnik sind aus der Gewinnungsindustrie nicht wegzudenken und wurden kontinuierlich optimiert.
Mittlerweile steigen jedoch die Anforderungen an Emissionsverhalten, Energieeffizienz und Arbeitssicherheit deutlich an. Gesetzliche Rahmenbedingungen, unternehmensinterne Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftliche Faktoren wirken dabei als starke Treiber. Insbesondere mit Blick auf die Ziele 2030 wird deutlich, dass Alternativen für konventionelle Bohrtechnologie erörtert werden müssen. Der Bohrprozess selbst bleibt zwar geologisch determiniert, doch die Art und Weise der Antriebsenergie rückt zunehmend in den Fokus.
Dieselhydraulische Übertage-Bohrgeräte stellen heute den Stand der Technik im Steinbruch dar. Sie bieten hohe Leistungsdichte, große Reichweiten und eine nahezu autonome Einsatzfähigkeit unabhängig von externer Infrastruktur.
Gleichzeitig sind sie jedoch mit einer Reihe Herausforderungen konfrontiert, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der anhaltende Druck zur Reduktion von CO₂-Emissionen und lokalen Abgasen stellt den Einsatz von Verbrennungsmotoren grundsätzlich infrage. Nicht nur Luft-Emissionen sind herausfordernd, auch Lärm-Emissionen sind zu bedenken. Die Geräuschentwicklung kann sich negativ auf das Arbeitsumfeld der Bediener auswirken und in genehmigungsrechtlich sensiblen Bereichen zum limitierenden Faktor werden.
Neben den Emissionen sind auch der Dieselverbrauch, steigende Energie- bzw. Dieselkosten sowie der vergleichsweise hohe Wartungsaufwand vom Dieselmotor kritisch zu betrachten.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass dieselhydraulische Systeme zwar technisch stark entwickelt sind, ihre Einsatzfähigkeit jedoch immer stärker an physikalische, ökologische und regulatorische Grenzen stößt. Das lenkt den Blick auf neue Antriebskonzepte.
Elektrisches Bohren stellt gegenüber dem dieselhydraulischen Ansatz einen paradigmatischen Wechsel in der Energieversorgung dar. Der zentrale Vorteil liegt im emissionsfreien Betrieb während des Bohrprozesses. Abgase entfallen, was sowohl Umwelt als auch Bedienpersonal unmittelbar zugutekommt. Gleichzeitig reduziert sich die Geräuschemission deutlich, denn Elektromotoren arbeiten wesentlich leiser als Verbrennungsmotoren.
Aus wirtschaftlicher Sicht eröffnet das elektrische Bohren Potenziale für geringere Betriebskosten, zum Beispiel durch reduzierte Energiepreise pro Kilowattstunde, weniger Verschleißteile und einen vereinfachten Wartungsaufwand. Zusätzlich kann so der zukünftige Kauf von CO2-Zertifikaten reduziert werden.
Technisch bietet der elektrische Antrieb zudem Vorteile in der Regelbarkeit. Elektromotoren stellen ihr Drehmoment konstant und präzise zur Verfügung. Das wirkt sich positiv auf Bohrstabilität, Prozesskontrolle und Automatisierungsfähigkeit aus. Nicht zuletzt erhöht sich auch die Sicherheit. Die Brandlast sinkt durch den Wegfall von Dieselkraftstoff und heißen Abgaskomponenten.
Der Einsatz elektrischer Bohrgeräte setzt jedoch bestimmte infrastrukturelle Voraussetzungen voraus. Zentrale Rolle spielt dabei die Energieversorgung. Erforderlich sind leistungsfähige Netzanschlüsse, geeignete Transformatoren sowie ein durchdachtes Kabelmanagement im Steinbruch. Mobile Energieversorgungsstationen müssen so ausgelegt sein, dass sie den hohen Leistungsbedarf während des Bohrens zuverlässig decken.
Eine besondere Bedeutung kommt der Frage der Stromherkunft zu. Die ökologischen sowie manche wirtschaftlichen Vorteile des elektrischen Bohrens entfalten sich nur dann, wenn der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.
Die Umstellung auf elektrische Bohrgeräte ist nicht allein eine technische, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Die Abhängigkeit von der elektrischen Infrastruktur begrenzt die Bewegungsfreiheit kabelgebundener Systeme.
Darüber hinaus bestehen Herausforderungen in erhöhten Investitionskosten für Infrastruktur und Maschinen sowie in der Notwendigkeit, Stromausfallszenarien sicher zu beherrschen.
Auch der Faktor Mensch spielt eine entscheidende Rolle. Neue Technologien erfordern Akzeptanz, Schulung und Veränderungsbereitschaft. Gleichzeitig benötigt das Bedienpersonal eine umfassende Schulung, um mit dem neuen Antriebskonzept sicher umgehen zu können.
Auf der Baustelle bereits im Einsatz, im Steinbruch möglich
Schaut man über Ländergrenzen hinweg, sieht man, dass elektrisches Bohren bereits jetzt möglich ist. Ein Politprojekt in Oslo, Norwegen, ist der Ausbau des U-Bahn-Netzes Fornebubanen. Dort wird mit dem Bohrgerät Epiroc SmartROC T35 BE elektrisch gebohrt. Der Unternehmer Grunn Solid kann so emissionfrei in der Stadt bohren.
Elektrisches Bohren im Steinbruch stellt keine ferne Vision, sondern eine Alternative zur konventionellen dieselhydraulischen Bohrtechnik dar. Der Wandel wird getrieben durch steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, Effizienz und Arbeitsbedingungen. Elektrische Antriebskonzepte bieten klare Vorteile in Bezug auf Emissionen, Geräuschentwicklung, Präzision und Sicherheit, erfordern jedoch zugleich Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung und Qualifikation der Mitarbeiter.
Die bestehende Bohrtechnik bleibt unverändert, während die elektrische Antriebstechnik neue Spielräume für Automatisierung und Prozessoptimierung eröffnet.
Mit der vorhandenen technologischen Erfahrung und den bereits verfügbaren Maschinenkonzepten ist elektrisches Bohren eine Alternative zur konventionellen Antriebstechnik im Steinbruch.